Tipps zum Improvisieren
Improvisation ist für viele, vor allem klassisch ausgebildete Musiker ein Buch mit sieben Siegeln.
Bei Diskussionen an Workshops, Seminaren usw. tauchten Behauptungen auf, die unvorstellbar waren.
Es ist wichtig, die Improvisation ans richtige Licht zu rücken und falsche Meinungen aus dem Weg zu räumen. Das Ziel ist, den Interessenten für die Improvisation die Angst zu nehmen.
- Wer improvisiert, muss bereit sein, falsch zu spielen.
Fehler sind Bestandteil der Improvisation.
- Musik hören mit guten Solisten! Gezieltes und bewusstes Hören kann beim Improvisieren
sehr viel beeinflussen.
- Regelmäßig und gezielt üben. Zum Improvisieren gehört sehr viel Routine.
- Ein Unterricht bei einem guten Improvisator gibt Ideen, Motivation und kann helfen sich
keine Fehler anzueignen.
- Das Hören eigener Improvisationen ist sehr wertvoll!
Aufnehmen eigener Solis ist deshalb sehr wichtig.
- Zu seinen Improvisationen stehen und merken das jeder Ton wichtig ist.
- Spiele deine Solis zu Ende und lasse sie nicht ins Nichts verlaufen.
Die meisten Improvisations-Anfänger spielen in erster Linie zu langatmig und zuviel.
Ein Solo soll in Phrasen (Satz) eingeteilt werden.
- Zwischen den Phrasen genügend Freiraum lassen.
- Pausen zwischen den Phrasen gehört zum Spannungs- und Entspannungsfluss der Musik.
- Meistens haben Anfänger nicht die nötige Übung, zwischen zwei Phrasen genügend Raum zu lassen.
Praktische Übungen
- abwechslungsweises Spielen von Phrasen
- eine Phrase sollte nicht länger als eine bestimmte Zeit dauern. (z.B. 2 Takte)
- Phrasen singen, dann versuchen nachzuspielen.
- Improvisationen singen
- Improvisationen/Solis selber aufnehmen.
Eine Improvisation erhält mehr Sinn und Zusammenhang, wenn die Phrasen mit klaren Motiven versehen sind. Motive bilden das Material eines Solos.
Motive können rhythmischer oder melodiöser Struktur sein.
Übungen
- notieren von Motiven
- Motive selbst spielen und aufnehmen.
Ein Motiv kann aus drei bis vier Tönen bestehen.
Beispiele:
- aufsteigend/absteigend
- Tonsprung nach oben / unten abschliessen
- fröhliches oder trauriges Motiv
- ruhiges oder hektisches Motiv
- analysieren von Phrasen
Ein Solo klingt interressanter, wenn Phrasen zusammenhängend erklingen.
Eine Phrase enthält ein Motiv. Die nächste Phrase nimmt dieses Motiv auf und verändert dieses minimal.
Die dritte Phrase legt wiederum das Motiv auf und ändert dieses leicht ab.
Typisch beim Blues wird das Ruf und Antwort-Prinzip bei der Improvisation eines Dialogs praktiziert.
Das erste Motiv (Phrase) ist der Ruf, die Folgephrase die Antwort darauf.
Übungen
- eigene Improvisationen aufnehmen und analysieren.
- gute Solisten anhören
- nachspielen von Improvisationen großer Solisten.
- aufschreiben von Improvisationen guter Solisten (Trankriptionen).
Ein Solist muss sich das Können aneignen, einen Chorus sich vorzustellen und wissen, wo er ist.
Egal welche Melodien er gerade spielt.
Improvisations-Anfänger haben oft Probleme die rhythmische Sicherheit zu finden.
Auch das Gehör ist noch nicht auf den Wechsel der Akkordfolgen eingestellt.
Mit gezieltem Üben ist das aber zu bewältigen.
Übungen
- rhythmisches Training des Grundbeats
- Playbacks anhören und Harmonien mitverfolgen
- Gehörbildung
- Rhythmische Motive spielen
- Phrasen mit bestimmter Länge spielen (z.B. erster oder zweiter Takt)
Saxophonist Kurt Henning